die kleine piratin

die kleine piratin

die kleine piratin

und die neuen 13

bilderbuch

32 s. | farbige illustrationen von jacky gleich
28 x 21 cm | gebunden
fischer schatzinsel 2003 || 39 fr. | 35 €
ab 4 jahren
ISBN 978-3-596-85149-1

rezensionen

„Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass die neue Mannschaft aus fortschrittlich denkenden Mädchen und Jungen besteht und die alte Crew zum Schluss aus 12 sich neu organisierenden (vielleicht einsichtigen?) Jungs und einem Mädchen zusammengesetzt ist. Fröhliche Illustrationen untermalen mit Witz und Überzeichnung das Komplott und die gescheiterte Racheaktion. Während Erwachsene und ältere Kinder eventuell hintersinnige Botschaften entschlüsseln, erfreuen sich die jüngsten BetrachterInnen ganz einfach am temporeichen Geschehen und an den farbenfrohen Bildern.“
beatrix ochsenbein, buch&maus 02|04

„Bruno Blumes Text ist reduziert, doch doppelsinnig und damit ideal für den Bildmix aus Schiffskulisse und Kinderspiel.“
hans ten doornkaat, nzz am sonntag

„In diesem Buch haben die ollen Piraten nichts zu lachen – aber die großen und kleinen Leser umso mehr! […] Und wenn Bruno Blume knapp, pointiert und hintersinnig erzählt, wie die kleine Piratin mit den neuen 13 zu neuen Heldentaten aufbricht, will man am liebsten mitfahren. Ahoi!“
literatour 18|04

„skurril, witzig“
ruth rousselange, saarbrücker zeitung

„Frauenpower pur. […] unverwechselbar und nicht nur für starke Mädchen“
dipl. paed. waltraud bauer

„Nun hat das Erfolgs-Duo des deutschen Bilderbuchs, Gleich und Blume, eine Piratin aufs Papier gebracht: […] Amüsant und hintersinnig“
stephanie jentgens, der evangelische buchberater

„Eine lebhafte, humorvolle und originelle Schiffsreise für Leser, die das Ungewöhnliche lieben!“
main-echo

„Nicht mehr als einen Satz pro Seite braucht der Autor, um die Handlung spannungsvoll, unterhaltsam und gewitzt zu inszenieren. Die verschiedenen Assoziationen und Stimmungen, die seine Geschichte beim Leser zu wecken vermag, greift Jacky Gleich auf, um in ihrem gewohnt markanten Bildstil zu agieren.“
claudia blei-hoch, eselsohr 09|04

„Der Witz liegt in der Schere zwischen dem dramatischen Text und den wunderbaren Bildern“
der tagesspiegel

„Zornige Mienen zeigen den Unmut der Ausgebooteten, während der neuen Mannschaft die Lebenslust aus den Augen blitzt. […] Ein wichtiges Bilderbuch mit einer neuen Generation starker Mädchen.“
kiga heute 10|04

Sehr einfühlsam und ganz aus Kindersicht wird davon erzählt, wie Kinder Piraten spielen. Als ein Mädchen ausgeschlossen wird, sucht sie sich neue FreundInnen. Zusammen sind sie stärker als die rechthaberischen alten Piraten.
Die Bilder sind super lustig und mit vielen Details versehen, die zum immer wieder Anschauen verlocken.

kundin, amazon.de

asperger

asperger:innen haben meist ein ausgeprägtes gerechtigkeitsempfinden – für sie dürfte es eine große genugtuung sein, dass die kleine piratin am ende wieder zu ihrem schiff kommt. dass sie die aufgabe mit köpfchen, statt muskeln löst, spricht ebenfalls für sie.

die kleine piratin

und die neuen 13

beschreibung

die 13 seeräuber sind gar nicht einverstanden: ein mädchen am steuerrad?!
kann die das überhaupt? und wie soll sie denn heißen, etwa frau kapitän?
also beschließen die 13 eine meuterei!
doch sie haben die piratin ganz schön unterschätzt …

ein wunderbares buch über die magische realität im kinderspiel und die möglichen neuen gedanken über die rollen von mädchen und jungen.

leseprobe

Die 13 Piraten
schrien alle durcheinander
und klauten schnell ein Ruderboot.

Doch von der Kapitänin
reichte eine einzige Kanonenkugel,
um die starken Männer einzuschüchtern.

illustrationen

gufidaun

gufidaun

gufidaun
martin und der außerirdische

kinderbuch

1. band der gufidaun-reihe
64 s. | 34 farbige illustrationen von jacky gleich
14,8 x 21 cm | hardcover
tulipan verlag 2007 || 2. auflage 2012
13 fr. | 11 € || ab 7 jahren
ISBN 978-3-939944-03-4

rezensionen

„Fantastische Ideen, komische Wörter und jede Menge witzige Bilder. Außerirdisch gut!“
wdr, lilipuz

„Sport und Ausserirdische: Das sind doch schon mal zwei Themen, mit denen man lesefaule Jungen hinter dem Ofen hervorlocken kann. Bruno Blume erzählt eine witzige Geschichte, in denen beides reichlich vorkommt, mit allen Irrungen und Wirrungen […]. Anspruchsvoll, aber gut und witzig zu lesen.“
christine lötscher, tagesanzeiger

„Dafür, dass jedenfalls die Lesenden Gufidaun lieben (werden), sorgen sowohl die sensationellen Zeichnungen – die uns witzig und schräg mit einer wunderbaren Bandbreite an Emotionen den dicken Außerirdischen näherbringen – als auch Gufidauns echt außerirdische Sprechweise und die emotionale Offenheit, die er der Welt entgegenbringt.
Die vielen wichtigen Fragen – Wie fühlt sich fremd an? Wie wichtig ist soziale Anerkennung? Wie schwer ist Loyalität? Und was ist eigentlich Freundschaft? – die dieses liebenswerte Buch ganz nebenbei anreißt, machen es bestimmt auch für Eltern und PädagogInnen sehr interessant.“
cornelia hammerschlag, 1001buch 01|08

„Ein positives Beispiel für einen Erstlese-Titel.“
marlene zöhrer, eselsohr 10|07

„Writing for early readers is an art form. […] Blume has written an engaging story, full of wit and pace“
ibby honour list

„Eine lustige, spannende Geschichte für Zweitklässler. Die fröhlichen, plakativen Illustrationen zeigen das Gelesene in witzigen Bildern. Fantasie zum Staunen und Lachen!“
r. müller, kklick.ch

asperger

sich fremd fühlen, wie von einem anderen stern – das ist die grundlegende erfahrung, die wir aspies in unserer gesellschaft, ja allzuoft auch in der eigenen familie machen müssen. so ist gufidaun die urfigur des asperger-kindes!
dass er dabei alle emotionen zeigt und doch meist lustig und zuversichtlich bleibt, macht ihn zur idealen identifikationsfigur – und er darf unser vorbild sein.

 

gufidaun

martin und der außerirdische

beschreibung

eines abends nach dem eishockey-training trifft martin ein sonderbares wesen, das ihn um hilfe bittet: gufidaun, ein echter außerirdischer, der mit seinem raumschiff auf der erde notlanden musste.
martin ist wenig begeistert, denn der seltsame besucher aus dem weltall ist ziemlich uncool und brockt ihm eine menge ärger ein. doch dann bringt gufidaun sarah ins spiel … und irgendwie muss er ja auch wieder nach hause!

eine witzige und super spannende geschichte über eine ungewöhnliche freundschaft, über pfützen und schaumblasen und einen stromausfall.

leseprobe

Als die Fußgängerampel auf Rot steht, holt er tief Luft: „Ich muss da vorne nach links. Du gehst nach rechts, dort ist die Eissporthalle. Von dort kannst du ja nach Hause fliegen.“
Gufidaun sieht Martin mit großen Augen an. „Kann nicht Hause fliegen. Schaumschiff steckt in nassiger Hose.“
Martin steht wie vom Donner gerührt. Daran hat er überhaupt nicht gedacht, dass das dämliche Raumschiff in Gufidauns Hose steckt. Dass er Gufidaun wieder mit nach Hause nehmen muss. Und vorher in die Schule!
„Ist nicht schlimmig“, versucht Gufidaun ihn zu trösten. „Bin gutig in Schule.“

illustrationen

auszeichnungen und übersetzung

das buch wurde mit folgenden preisen ausgezeichnet:

  • schweizer kinder- und jugendmedienpreis, empfehlung 2009
  • IBBY honour list 2010

übersetzt wurden beide bände von gufidaun ins niederländische.

vier verrückte fußballgeschichten

vier verrückte fußballgeschichten

Anthologie, Kinderbuch

Vier Geschichten von Katja Alves, Bruno Blume, Wolfgang Bortlik und Sandra Hughes zusammen mit je einer fünften Klasse
176 S. | 17 sw-Illustrationen von Jörg Obrist
14,8 x 21 cm | Klappenbroschur
kwasi verlag 2014 || 16 Fr. | 15 € ||
ab 11 Jahren
ISBN 978-3-906183-13-8

rezensionen

„Magische Ausrüstungen um Fussballspiele zu gewinnen. Ein Trainer der ausgerechnet zum wichtigsten Spiel der Saison nicht erscheint. Und peinliche Mütter am Spielfeldrand, die entweder vor Stolz platzen oder allen ihre selbstgemachten Sandwiches aufzwingen. Es war einiges an Fantasie zusammengekommen“.
daniel faulhaber, tageswoche

links

die autor:innen

katja alves
bruno blume
wolfgang bortlik
sandra hughes

der illustrator:

jürg obrist

der verlag:

kwasi verlag

vier verrückte fußballgeschichten

beschreibung

kinder spielen gern fußball, kinder lieben geschichten!
hier finden sie beides: von kindern selbst erfundene fußballgeschichten.
vier 5. klassen haben ihre ideen gesammelt, geordnet und mit professionellen autorInnen zusammen in krimis und liebesgeschichten verwandelt. so sind vier verrückte, lustige und spannende geschichten entstanden, die vom fußball handeln und dabei über das ganze leben erzählen: entführungen, erste küsse, ein friedhof, die mafia, eine einsame insel und ein wasser-töff spielen unter anderem wichtige rollen.

spiel um leben und tod
(bruno blume mit klasse 5a, schulhaus brühl, solothurn)

im fussballcamp gibt es für die fünf besten als preis tickets für die fussball-wm zu gewinnen! darauf sind natürlich alle scharf – scheint es. aber verfolgt nicht maria ganz andere pläne? wer verliebt sich in wen? wer ist eigentlich dieser penner trevor? was passiert auf dem friedhof? und ist der schiedsrichter wirklich unparteiisch?

leseprobe

Mit einem lauten Pfiff startet der Trainer das entscheidende Spiel. Ahmed spielt an und passt zu Sophia, aber sie lässt den Ball durch. Sie ist stinksauer. Ihr Blick wandert an den Spielfeldrand, wo Carlo sich mit dem Rücken zum Spielfeld hingehockt hat. Sophia kann seine Wut nicht nur nachvollziehen, sie spürt sie. Es ist die gleiche Wut wie ihre. Weil Carlo nicht mitspielen darf.

Die Verwirrung vor dem Spiel war groß gewesen. Carlo und Maria waren nicht da! Emelie und Livia waren blass und machten seltsame Andeutungen über Maria, auch kicherten sie immer wieder so merkwürdig. Ihr Streit, der die ganze Woche alle genervt hatte, war offensichtlich vorbei. Aber als Sophia sie fragte, wo Maria sei, verstummten sie.
„Und wo ist Carla?“, bohrte Sophia weiter.
„Vielleicht ist sie noch auf dem Friedhof“, unkte Emelie.
Livia stieß sie mit dem Ellbogen an und rollte mit den Augen: „Oder er ist noch auf dem Friedhof!“
Es war nichts Vernünftiges aus den beiden rauszubekommen.
„Vielleicht schläft sie noch“, warf Seraina ein. „Als ich nach dem Frühstück die Zähne geputzt habe, lag sie auf jeden Fall noch im Bett.“
„Warum sagt das denn niemand?!“, fluchte Sophia und startete durch.

illustrationen

 

weitere infos

dieses buch ist das ergebnis der kooperation zwischen der fachhochschule nordwestschweiz, vier autor:innen, vier brennpunkt-schulen in der nordostschweiz und dem kwasi verlag.

die autor:innen haben gemeinsam mit je einer 5. klasse in 13 wochen eine geschichte beigetragen, gleichzeitig fußball trainiert und dann die geschichten der anderen klassen gelesen und nach strengen kriterien beurteilt.
zum abschluss gab es in basel ein fußballturnier und die buchvorstellung im literaturhaus.

ein begeisterndes projekt für alle beteiligten mit einem außergewöhnlichen buch als finalen output!

 

timon von athen

timon von athen

shakespeares timon von athen

belletristik | jugendbuch

48 s. | mit 6 ganzseitigen sw-illustrationen von  pascale küng
18,6 x 29,6 cm | klappenbroschur
kwasi verlag 2016 || 20 fr. | 19 €
ab 14 jahren und für erwachsene
ISBN 978-3-906183-22-0

rezensionen

„Ganz schön mutig: Der Schweizer Kinder- und Jugendbuchautor Bruno Blume hat […] Adaptionen der fünf späten Tragödien für interessierte jugendliche (aber auch erwachsene) LeserInnen vorgelegt […]. Neu, anders, besonders bei Blume: An die Stelle der Akte sind innere Monologe (mit eingearbeiteten Dialogen) getreten, welche die Handlung aus wechselnden Perspektiven erzählen und interpretieren, was Blume erlaubt, zu psychologisieren oder auch die weiblichen Figuren stärker zu akzentuieren. Die Hauptstränge der Plots sind zwar bewahrt, doch anders geflochten, Komplexität und Umfang der Originale […] reduziert. “
dr. deborah keller, buch&maus 1/17

links

illustratorin:
pascale küng

verlag:
kwasi-verlag.ch

asperger

shakespeare lesen ist anstrengend, einerseits weil es theaterstücke sind, andererseits weil viel zeitcouleur und viele nebenhandlungen drinstecken.
in dieser ausgabe ist die geschichte gestrafft, kleine nebenrollen sind getilgt, abschweifungen fehlen, die taten der figuren sind psychologisch begründet – ideal für asperger:innen, die einfach der hoch aktuellen geschichte folgen möchten.
und ist timon, der scheinbar naive und dann so radikale verweigerer und menschenhasser, nicht selbst ein asperger?

shakespeares timon von athen

beschreibung

dass geld die welt regiert, weiß timon genau. er ist nicht umsonst der reichste athener bürger. was er aber schmerzhaft er­fahren muss: dass bei geld jede freundschaft aufhört. als radikaler antiheld kehrt er ab von jedem glauben an freunde, an den menschen überhaupt.
seine hausverwalterin apemanta begleitet ihn, sie warnt ihn, sie liebt ihn, sie tut alles für ihn. seine ideale treffen auf ihre scharfe zunge, später auch seine hasstiraden. sie gibt nie klein bei, sie scheitert an ihm – und überlebt ihn.

leseprobe

„Heute krieg ich Timon rum.“
„Du, Timandra? Haha.“
Die beiden da sind ganz andres Volk. Timons Kurtisanen und faul wie Mist. Lackieren sich die Zehennägel und sehen nicht, dass wir andern bis zum Umfallen schuften.
„Doch. Mit ’ner Massage spezial, die seinen Arsch nicht auslässt.“
„Der lässt dich nicht ran, Timandra. Weißt genau, dass wir für seine Gäste nur bestimmt sind.“
„Heute wird er schwach! Ich bin ja auch viel hübscher, jünger auch als du. Der müsste schwul sein, um mir länger widerstehn zu können.“
Ihnen zuzuhören, fehlt mir die Zeit, obwohl es amüsant wäre. Timon schwul? Sie verstehen nichts vom Leben. Die können nur das eine.
„Ist er ja vielleicht.“
„Ist er nicht, du weißt das, Phrynia. Du sagst das nur so.“
„Hm. Auf jeden Fall hat er nicht Sinn für Frauen. Keine Sinnlichkeit. Sonst hätt er nicht den Besen Apemanta eingestellt als Hausverwalterin.“
Oho, sie will sich mit mir anlegen! „Immerhin ein Besen, der gut kehrt, Ladies. Ihr verkehrt hingegen nur verkehrt. Werdet genommen hier von denen, die sonst alles nehmen, was nicht festgemacht. Werdet gestoßen von all jenen, die euch zum Anstoßnehmen dienen sollten. Und geleckt von abgestandnen Speichelleckern. Packt euch fort an eure Plätze!“

illustrationen

 

 

zusatzinfos

die tragödie timon von athen wird kaum aufgeführt, weil sie viele ungereimtheiten aufweist, sie scheint unfertig oder unsorgfältig verfasst zu sein. das ist in dieser neufassung behoben, vor allem mit einer neuen, aus zwei männlichen rollen zusammengefügten frauenrolle: der schönen, fleißi­gen und loyalen, aber auch eigensinnigen, kratzbürstigen, sturen und aufsässigen apemanta, die bei timon, dem menschenfreund und reichsten mann im antiken athen, als hausverwalterin angestellt ist.
sie erkennt als einzige den ökonomisch fragilen zustand seines lebens­stils und macht ihn in aller liebe darauf aufmerksam. er aber hört nicht auf sie – sie ist ja nur eine frau. erst im elend, als er über seine blinde vorstellung von freundschaft gestürzt ist, bemerkt er, dass nur sie zu ihm hält, um ihn weint. er, der sich geschworen hat, alle menschen zu hassen, kommt ins grübeln: „du bist gut, nur weil du eine frau bist. du kannst weinen. wein du nur. vielleicht sind frauen anders. sind dann frauen keine menschen? das muss ich ein andres mal erwägen.“
für timon, der immer auf die karte alles-oder-nichts setzte, kommt dieses aufblitzen von Einsicht zu spät.
apemanta hat ihre katharsis da schon durchlebt. in äußers­ter seelischer not lässt sie von ihm ab, nicht ohne mitleid, nicht ohne bei ihm zu bleiben bis zu seinem tod. „habt ihr mir vertraut? habt ihr je mich gefragt, wie ich mich fühle? woher ich komme? was ich von meinem leben noch erwarte? ihr jammert bloß und schimpft auf alle menschen. doch das geld, das hat nicht nur die andern schlecht gemacht. was ist aus euch geworden? habt ihr je darauf geachtet, was um euch herum geschieht? nicht mit, nicht ohne geld!“
für apemanta gibt es eine zukunft, sie ist der stein des anstoßes zu einer neuen denkweise, der überwindung von krieg und sozialer differenz – durch das zusammengehen von mann und frau, von frau und mann.
w
ie sehr haben wir diese denkweise übernommen, und wie weit sind wir damit gekommen?

„In seiner Tragödie hält uns Shakespeare den Spiegel vor: Wie damals geht es heute noch um Geld und Reichtum, Ansehen und gesellschaftlichen Zusammenhalt – und natürlich immer um Identität.
Der Jugendbuchautor Bruno Blume erzählt das wenig bekannte Stück in erfrischend moderner und doch shake­spear‘scher Prosa neu, die junge Pascale Küng hat 6 groß­formatige Illustrationen beigetragen – eine besondere Ausgabe für alle Shakespeare-­Fans und Shakespeare-Muffel.“
kwasi verlag

könig lear

könig lear

shakespeares könig lear

belletristik, jugendbuch

48 s. | mit 6 ganzseitigen sw-illustrationen von anke feuchtenberger
18,6 x 29,6 cm | klappenbroschur
kwasi verlag 2016 || 20 fr. | 19 €
ab 14 jahren und für erwachsene
ISBN 978-3-906183-21-3

rezensionen

„Blume präsentiert Lesarten der Stücke für erwachsene Shakespeare-Fans und entdeckungsfreudige Jugendliche […] lässt dabei tief in die Seelen von Shakespeares Frauenfiguren blicken. […] Blume inszeniert starke Frauen – und hat sich fünf starke Künstlerinnen an seine Seite geholt. Es sind ihre Bilder, die dieses Projekt besonders und die eine Auseinandersetzung auch ausserhalb des Literaturunterrichts reizvoll machen. Denn mit ihren unterschiedlichen llustrationsstilen und Blickwinkeln legen auch sie neue Lesarten frei, indem sie sich von Althergebrachtem lösen, […] Akzente verschieben, […] Gefühlswelten in den Vordergrund rücken oder das Geschehen in unsere Zeit versetzen.“
marlene zöhrer, berner zeitung

„Ganz schön mutig: Der Schweizer Kinder- und Jugendbuchautor Bruno Blume hat im vergangenen, reich bespielten Shakespeare-Jahr Adaptionen der fünf späten Tragödien für interessierte jugendliche (aber auch erwachsene) LeserInnen vorgelegt […]. Neu, anders, besonders bei Blume: An die Stelle der Akte sind innere Monologe (mit eingearbeiteten Dialogen) getreten, welche die Handlung aus wechselnden Perspektiven erzählen und interpretieren, was Blume erlaubt, zu
psychologisieren oder auch die weiblichen Figuren stärker zu akzentuieren. Die Hauptstränge der Plots sind zwar bewahrt, doch anders geflochten, Komplexität und Umfang der Originale […] reduziert. “
dr. deborah keller, buch&maus 1/17

links

illustratorin:
anke feuchtenberger

verlag:
kwasi-verlag.ch

asperger

shakespeare lesen ist anstrengend, einerseits weil es theaterstücke sind, andererseits weil viel zeitcouleur und viele nebenhandlungen drinstecken.
in dieser ausgabe ist die geschichte gestrafft, kleine nebenrollen sind getilgt, abschweifungen fehlen, die taten der figuren sind psychologisch begründet – ideal für asperger:innen, die einfach der hoch aktuellen geschichte folgen möchten.
und benehmen sich die töchter von könig lear nicht selber wie aspergerinnen?

shakespeares könig lear

beschreibung

es beginnt wie im märchen und endet mit der totalen kata­strophe: der alte könig plant die übergabe der macht an die nächste generation minutiös, ohne jedoch seine drei töchter in die entscheidung einzubinden. sie sollen seinen plan absegnen und für seine rente aufkommen.
das konfliktpotential wird voll ausgeschöpft: machtkampf, generationenkonflikt, geschwisterneid, verweigerung, verblendung, verleumdung.

drei schwestern auf der suche nach einem lebbaren verhältnis zu ihrem vater zwischen hass und liebe und gleichgültigkeit.

leseprobe

„Nein, die können mir nicht wegen Münzprägen. Ich bin der König.“
„Mylord, erkennt Ihr mich?“
„O lala. Goneril mit grauem Bart. Die haben mich wie Hunde fort und hätte weißes Haar im Bart. Der Regen kam, mich nass zu machen, und der Wind mich donnerte. Zu allem Ja und Nein. Ich habe sie geschmeckt, die falsche Schlange. Ihre Worte, o gelogen und ich nicht schüttelfrostgeschützt.“
„Mylord, wie viele Töchter habt Ihr?“
„Wenn ich so starre und die Hand erhebe, wie erbebt der Untertan vor mir! Zwei Schlangen, eine galliger, die andre auch. Was dein Verbrechen? Bist du Ehebruch? Der Bastard liebt nicht seinen Vater mehr als meine Töchter. Mich. Ich würd’s dir zeigen, aber ’s fehlen die Soldaten. Durch das Unter­höschen affektierter Damen. Ihre Lippen sagen Schnee voraus in ihrem Schritt. So eisig, eisig. Tugend, ja, ja! Bis sie Königinnen übers halbe Reich. So geile Luder sind’s hüftabwärts, noble Damen nur darüber. Brüste nie gesäugt ein Kind, wie sie eins waren. Löcher schwarz und schweflig brennt’s, versengte mich mit Stumpf und Stiel. Nimm deinen Sold.“
„Mylord, kennt Ihr Cordelia?“
„Niemand sündigt! Niemand, sag ich dir. Der Taschendieb wird stets erkannt durchs Loch im Lumpenkleid. Seide und auch Pelz verbergen jedes Laster vor dem Richterblick. Vergolde jede Sünde, und das Schwert des Rechts verfehlt sie klar. Bewaffne Sünde dann mit Lumpen, und ein Strohhalm fädelt mühelos sie auf. Drum kauft ihm Glasaugen, so sieht er besser als ein Richter. Will er mein Unglück beweinen, nimmt er meine Augen. Denn wenn wir geboren werden, schreien wir, weil wir auf diese Narrenbühne draufge­worfen wurden.“
Ich halt’s keine Sekunde länger aus. Eher sterbe ich, als ihn so zu lassen. Ärzte, Heiler, Magier, zeigt her Eure Künste. Zu ihm jetzt, auch mit zitternden Knien.
„Seht, kennt Ihr diese Dame?“
„Ich bin auf einem Rad aus Feuer festgebunden. Tränen kochen. Schmelzend Blei sind meine, meine Augen.“
„Wie geht es Eurer Majestät? Erkennt Ihr mich?“
„Du bist ein Geist, ich weiß schon. Wo bist du gestorben?“
„Weit, weit weg und lange, lange her.“
„Wo war ich da? Und wo bin ich jetzt? Ist’s heller Tag? Ich kann nicht schwören, dass dies meine Hand ist. Wollt, ich wäre sicher ich. Versichert.“
„Seht mich an, Sir. Segnet mich.“
„Verspott mich nicht. Bin achtzig. Alter Mann ohne Verstand. Tand. Sand von Dover. Kann mich nicht erinnern, wer ich bin. Wo bin ich. Wo hab ich zuletzt geschlafen. Aber ich, falls ich ein Mensch bin, denk, dass diese Dame müsst mein Kind Cordelia sein.“
„Und ich bin es, bin es.“
„Nicht weinen, Kind. Machst dich ganz nass. Sag, hast du Gift für mich? Ich nehm’s. Du hasst mich. Und mit Grund. Du ja, die nicht.“
„Keinen Grund, wirklich nicht.“
„Nachsicht. Bin verrückt. Kaputt.“
„Legt Euch schlafen, Vater. Schlaft Euch aus. – Bringt ihn ins Lager, und legt ihn auf mein Bett.“

illustrationen

zusätzliche informationen

„Der alte König Lear denkt rechtzeitig an die Über­gabe der Herrschaft an die Jüngeren. Er will sein Reich dritteln und seine Macht unter seinen drei Töchtern aufteilen. Als einzige Gegenleistung verlangt er das Bekenntnis zu ihm: Weil ihr mich liebt, ergo weil ich liebenswert bin, teile ich mit euch. Und weil ich das vorbildlich mache, behalte ich den Ehrentitel des Königs, und ihr müsst für mich sorgen bis zu meinem Ende. Lear will einen Teil der Macht behalten, aber die ganze Last abgeben. Und gefragt, wer von seinen Töchtern denn eigentlich die Macht übernehmen möchte, hat er auch nicht. – Keine der drei, so unterschiedlich sie sind, will und kann so leben.
Die Jüngste ist die Einzige, die ihn wirklich liebt – und verweigert sich dem Befehl, ihre Liebe zu erklären. Schon in dieser ersten Szene zeigt sich der Charakter des Vaters: Wer meine Bedingungen nicht erfüllt, verliert alles. Er enterbt und verbannt seine jüngste Tochter auf der Stelle! Die Mittlere möchte gar nicht herrschen. Ihr drängt er die Krone und das halbe Reich auf. Sie passt nicht in das väterliche duale Weltbild des Alles-oder-nichts. Die Frage nach ihrer Liebe beantwortet sie ausweichend: so wie meine große Schwester. Diese heuchelt schamlos und nimmt alles, was sie kriegen kann. Sie ist wie der Vater und richtet am Ende so wie er am Anfang über sich und die anderen.
Es zeigt sich der fundamentale Gegensatz von Kopf und Herz: Lear hätte seiner Jüngsten, die er am meisten liebt, nur zu gern alles gegeben, ist aber einem vagen Gerechtigkeitssinn gefolgt und hat das Gegenteil dessen gemacht, was er an sich als richtig empfindet. Alles weitere Scheitern, die Demütigungen und der verfrühte, unglückliche Tod sind die Folgen dieser Entscheidung.
Wie gehen wir mit unseren alten Eltern um? Mit ihrer Sturheit des Alters, dem nicht versiegenden Anspruch auf Gehorsam? König Lear steht als mächtiges Beispiel für unsere Eltern und für uns selbst in der Überzeugung, gute Eltern zu sein.“
kwasi verlag