könig lear

könig lear

shakespeares könig lear

belletristik, jugendbuch

48 s. | mit 6 ganzseitigen sw-illustrationen von anke feuchtenberger
18,6 x 29,6 cm | klappenbroschur
kwasi verlag 2016 || 20 fr. | 19 €
ab 14 jahren und für erwachsene
ISBN 978-3-906183-21-3

rezensionen

„Blume präsentiert Lesarten der Stücke für erwachsene Shakespeare-Fans und entdeckungsfreudige Jugendliche […] lässt dabei tief in die Seelen von Shakespeares Frauenfiguren blicken. […] Blume inszeniert starke Frauen – und hat sich fünf starke Künstlerinnen an seine Seite geholt. Es sind ihre Bilder, die dieses Projekt besonders und die eine Auseinandersetzung auch ausserhalb des Literaturunterrichts reizvoll machen. Denn mit ihren unterschiedlichen llustrationsstilen und Blickwinkeln legen auch sie neue Lesarten frei, indem sie sich von Althergebrachtem lösen, […] Akzente verschieben, […] Gefühlswelten in den Vordergrund rücken oder das Geschehen in unsere Zeit versetzen.“
marlene zöhrer, berner zeitung

„Ganz schön mutig: Der Schweizer Kinder- und Jugendbuchautor Bruno Blume hat im vergangenen, reich bespielten Shakespeare-Jahr Adaptionen der fünf späten Tragödien für interessierte jugendliche (aber auch erwachsene) LeserInnen vorgelegt […]. Neu, anders, besonders bei Blume: An die Stelle der Akte sind innere Monologe (mit eingearbeiteten Dialogen) getreten, welche die Handlung aus wechselnden Perspektiven erzählen und interpretieren, was Blume erlaubt, zu
psychologisieren oder auch die weiblichen Figuren stärker zu akzentuieren. Die Hauptstränge der Plots sind zwar bewahrt, doch anders geflochten, Komplexität und Umfang der Originale […] reduziert. “
dr. deborah keller, buch&maus 1/17

links

illustratorin:
anke feuchtenberger

verlag:
kwasi-verlag.ch

neurodiversität

shakespeare lesen ist anstrengend, einerseits weil es theaterstücke sind, andererseits weil viel zeitcouleur und viele nebenhandlungen drinstecken.
in dieser ausgabe ist die geschichte gestrafft, kleine nebenrollen sind getilgt, abschweifungen fehlen, die taten der figuren sind psychologisch begründet – ideal für autist:innen und andere hochsensitive, die einfach der hoch aktuellen geschichte folgen möchten.
und benimmt sich könig lear nicht selbs wie ein autist? und seine töchter?

shakespeares könig lear

beschreibung

es beginnt wie im märchen und endet mit der totalen kata­strophe: der alte könig plant die übergabe der macht an die nächste generation minutiös, ohne jedoch seine drei töchter in die entscheidung einzubinden. sie sollen seinen plan absegnen und für seine rente aufkommen.
das konfliktpotential wird voll ausgeschöpft: machtkampf, generationenkonflikt, geschwisterneid, verweigerung, verblendung, verleumdung.

drei schwestern auf der suche nach einem lebbaren verhältnis zu ihrem vater zwischen hass und liebe und gleichgültigkeit.

leseprobe

„Nein, die können mir nicht wegen Münzprägen. Ich bin der König.“
„Mylord, erkennt Ihr mich?“
„O lala. Goneril mit grauem Bart. Die haben mich wie Hunde fort und hätte weißes Haar im Bart. Der Regen kam, mich nass zu machen, und der Wind mich donnerte. Zu allem Ja und Nein. Ich habe sie geschmeckt, die falsche Schlange. Ihre Worte, o gelogen und ich nicht schüttelfrostgeschützt.“
„Mylord, wie viele Töchter habt Ihr?“
„Wenn ich so starre und die Hand erhebe, wie erbebt der Untertan vor mir! Zwei Schlangen, eine galliger, die andre auch. Was dein Verbrechen? Bist du Ehebruch? Der Bastard liebt nicht seinen Vater mehr als meine Töchter. Mich. Ich würd’s dir zeigen, aber ’s fehlen die Soldaten. Durch das Unter­höschen affektierter Damen. Ihre Lippen sagen Schnee voraus in ihrem Schritt. So eisig, eisig. Tugend, ja, ja! Bis sie Königinnen übers halbe Reich. So geile Luder sind’s hüftabwärts, noble Damen nur darüber. Brüste nie gesäugt ein Kind, wie sie eins waren. Löcher schwarz und schweflig brennt’s, versengte mich mit Stumpf und Stiel. Nimm deinen Sold.“
„Mylord, kennt Ihr Cordelia?“
„Niemand sündigt! Niemand, sag ich dir. Der Taschendieb wird stets erkannt durchs Loch im Lumpenkleid. Seide und auch Pelz verbergen jedes Laster vor dem Richterblick. Vergolde jede Sünde, und das Schwert des Rechts verfehlt sie klar. Bewaffne Sünde dann mit Lumpen, und ein Strohhalm fädelt mühelos sie auf. Drum kauft ihm Glasaugen, so sieht er besser als ein Richter. Will er mein Unglück beweinen, nimmt er meine Augen. Denn wenn wir geboren werden, schreien wir, weil wir auf diese Narrenbühne draufge­worfen wurden.“
Ich halt’s keine Sekunde länger aus. Eher sterbe ich, als ihn so zu lassen. Ärzte, Heiler, Magier, zeigt her Eure Künste. Zu ihm jetzt, auch mit zitternden Knien.
„Seht, kennt Ihr diese Dame?“
„Ich bin auf einem Rad aus Feuer festgebunden. Tränen kochen. Schmelzend Blei sind meine, meine Augen.“
„Wie geht es Eurer Majestät? Erkennt Ihr mich?“
„Du bist ein Geist, ich weiß schon. Wo bist du gestorben?“
„Weit, weit weg und lange, lange her.“
„Wo war ich da? Und wo bin ich jetzt? Ist’s heller Tag? Ich kann nicht schwören, dass dies meine Hand ist. Wollt, ich wäre sicher ich. Versichert.“
„Seht mich an, Sir. Segnet mich.“
„Verspott mich nicht. Bin achtzig. Alter Mann ohne Verstand. Tand. Sand von Dover. Kann mich nicht erinnern, wer ich bin. Wo bin ich. Wo hab ich zuletzt geschlafen. Aber ich, falls ich ein Mensch bin, denk, dass diese Dame müsst mein Kind Cordelia sein.“
„Und ich bin es, bin es.“
„Nicht weinen, Kind. Machst dich ganz nass. Sag, hast du Gift für mich? Ich nehm’s. Du hasst mich. Und mit Grund. Du ja, die nicht.“
„Keinen Grund, wirklich nicht.“
„Nachsicht. Bin verrückt. Kaputt.“
„Legt Euch schlafen, Vater. Schlaft Euch aus. – Bringt ihn ins Lager, und legt ihn auf mein Bett.“

illustrationen

zusätzliche informationen

„Der alte König Lear denkt rechtzeitig an die Über­gabe der Herrschaft an die Jüngeren. Er will sein Reich dritteln und seine Macht unter seinen drei Töchtern aufteilen. Als einzige Gegenleistung verlangt er das Bekenntnis zu ihm: Weil ihr mich liebt, ergo weil ich liebenswert bin, teile ich mit euch. Und weil ich das vorbildlich mache, behalte ich den Ehrentitel des Königs, und ihr müsst für mich sorgen bis zu meinem Ende. Lear will einen Teil der Macht behalten, aber die ganze Last abgeben. Und gefragt, wer von seinen Töchtern denn eigentlich die Macht übernehmen möchte, hat er auch nicht. – Keine der drei, so unterschiedlich sie sind, will und kann so leben.
Die Jüngste ist die Einzige, die ihn wirklich liebt – und verweigert sich dem Befehl, ihre Liebe zu erklären. Schon in dieser ersten Szene zeigt sich der Charakter des Vaters: Wer meine Bedingungen nicht erfüllt, verliert alles. Er enterbt und verbannt seine jüngste Tochter auf der Stelle! Die Mittlere möchte gar nicht herrschen. Ihr drängt er die Krone und das halbe Reich auf. Sie passt nicht in das väterliche duale Weltbild des Alles-oder-nichts. Die Frage nach ihrer Liebe beantwortet sie ausweichend: so wie meine große Schwester. Diese heuchelt schamlos und nimmt alles, was sie kriegen kann. Sie ist wie der Vater und richtet am Ende so wie er am Anfang über sich und die anderen.
Es zeigt sich der fundamentale Gegensatz von Kopf und Herz: Lear hätte seiner Jüngsten, die er am meisten liebt, nur zu gern alles gegeben, ist aber einem vagen Gerechtigkeitssinn gefolgt und hat das Gegenteil dessen gemacht, was er an sich als richtig empfindet. Alles weitere Scheitern, die Demütigungen und der verfrühte, unglückliche Tod sind die Folgen dieser Entscheidung.
Wie gehen wir mit unseren alten Eltern um? Mit ihrer Sturheit des Alters, dem nicht versiegenden Anspruch auf Gehorsam? König Lear steht als mächtiges Beispiel für unsere Eltern und für uns selbst in der Überzeugung, gute Eltern zu sein.“
kwasi verlag

timon von athen

timon von athen

shakespeares timon von athen

belletristik | jugendbuch

48 s. | mit 6 ganzseitigen sw-illustrationen von  pascale küng
18,6 x 29,6 cm | klappenbroschur
kwasi verlag 2016 || 20 fr. | 19 €
ab 14 jahren und für erwachsene
ISBN 978-3-906183-22-0

rezensionen

„Ganz schön mutig: Der Schweizer Kinder- und Jugendbuchautor Bruno Blume hat […] Adaptionen der fünf späten Tragödien für interessierte jugendliche (aber auch erwachsene) LeserInnen vorgelegt […]. Neu, anders, besonders bei Blume: An die Stelle der Akte sind innere Monologe (mit eingearbeiteten Dialogen) getreten, welche die Handlung aus wechselnden Perspektiven erzählen und interpretieren, was Blume erlaubt, zu psychologisieren oder auch die weiblichen Figuren stärker zu akzentuieren. Die Hauptstränge der Plots sind zwar bewahrt, doch anders geflochten, Komplexität und Umfang der Originale […] reduziert. “
dr. deborah keller, buch&maus 1/17

links

illustratorin:
pascale küng

verlag:
kwasi-verlag.ch

neurodiversität

shakespeare lesen ist anstrengend, einerseits weil es theaterstücke sind, andererseits weil viel zeitcouleur und viele nebenhandlungen drinstecken.
in dieser ausgabe ist die geschichte gestrafft, kleine nebenrollen sind getilgt, abschweifungen fehlen, die taten der figuren sind psychologisch begründet – ideal für autist:innen und andere hochsensitive, die einfach der hoch aktuellen geschichte folgen möchten.
und ist timon, der scheinbar naive und dann so radikale verweigerer und menschenhasser, nicht selbst ein autist?

shakespeares timon von athen

beschreibung

dass geld die welt regiert, weiß timon genau. er ist nicht umsonst der reichste athener bürger. was er aber schmerzhaft er­fahren muss: dass bei geld jede freundschaft aufhört. als radikaler antiheld kehrt er ab von jedem glauben an freunde, an den menschen überhaupt.
seine hausverwalterin apemanta begleitet ihn, sie warnt ihn, sie liebt ihn, sie tut alles für ihn. seine ideale treffen auf ihre scharfe zunge, später auch seine hasstiraden. sie gibt nie klein bei, sie scheitert an ihm – und überlebt ihn.

leseprobe

„Heute krieg ich Timon rum.“
„Du, Timandra? Haha.“
Die beiden da sind ganz andres Volk. Timons Kurtisanen und faul wie Mist. Lackieren sich die Zehennägel und sehen nicht, dass wir andern bis zum Umfallen schuften.
„Doch. Mit ’ner Massage spezial, die seinen Arsch nicht auslässt.“
„Der lässt dich nicht ran, Timandra. Weißt genau, dass wir für seine Gäste nur bestimmt sind.“
„Heute wird er schwach! Ich bin ja auch viel hübscher, jünger auch als du. Der müsste schwul sein, um mir länger widerstehn zu können.“
Ihnen zuzuhören, fehlt mir die Zeit, obwohl es amüsant wäre. Timon schwul? Sie verstehen nichts vom Leben. Die können nur das eine.
„Ist er ja vielleicht.“
„Ist er nicht, du weißt das, Phrynia. Du sagst das nur so.“
„Hm. Auf jeden Fall hat er nicht Sinn für Frauen. Keine Sinnlichkeit. Sonst hätt er nicht den Besen Apemanta eingestellt als Hausverwalterin.“
Oho, sie will sich mit mir anlegen! „Immerhin ein Besen, der gut kehrt, Ladies. Ihr verkehrt hingegen nur verkehrt. Werdet genommen hier von denen, die sonst alles nehmen, was nicht festgemacht. Werdet gestoßen von all jenen, die euch zum Anstoßnehmen dienen sollten. Und geleckt von abgestandnen Speichelleckern. Packt euch fort an eure Plätze!“

illustrationen

 

 

zusatzinfos

die tragödie timon von athen wird kaum aufgeführt, weil sie viele ungereimtheiten aufweist, sie scheint unfertig oder unsorgfältig verfasst zu sein. das ist in dieser neufassung behoben, vor allem mit einer neuen, aus zwei männlichen rollen zusammengefügten frauenrolle: der schönen, fleißi­gen und loyalen, aber auch eigensinnigen, kratzbürstigen, sturen und aufsässigen apemanta, die bei timon, dem menschenfreund und reichsten mann im antiken athen, als hausverwalterin angestellt ist.
sie erkennt als einzige den ökonomisch fragilen zustand seines lebens­stils und macht ihn in aller liebe darauf aufmerksam. er aber hört nicht auf sie – sie ist ja nur eine frau. erst im elend, als er über seine blinde vorstellung von freundschaft gestürzt ist, bemerkt er, dass nur sie zu ihm hält, um ihn weint. er, der sich geschworen hat, alle menschen zu hassen, kommt ins grübeln: „du bist gut, nur weil du eine frau bist. du kannst weinen. wein du nur. vielleicht sind frauen anders. sind dann frauen keine menschen? das muss ich ein andres mal erwägen.“
für timon, der immer auf die karte alles-oder-nichts setzte, kommt dieses aufblitzen von Einsicht zu spät.
apemanta hat ihre katharsis da schon durchlebt. in äußers­ter seelischer not lässt sie von ihm ab, nicht ohne mitleid, nicht ohne bei ihm zu bleiben bis zu seinem tod. „habt ihr mir vertraut? habt ihr je mich gefragt, wie ich mich fühle? woher ich komme? was ich von meinem leben noch erwarte? ihr jammert bloß und schimpft auf alle menschen. doch das geld, das hat nicht nur die andern schlecht gemacht. was ist aus euch geworden? habt ihr je darauf geachtet, was um euch herum geschieht? nicht mit, nicht ohne geld!“
für apemanta gibt es eine zukunft, sie ist der stein des anstoßes zu einer neuen denkweise, der überwindung von krieg und sozialer differenz – durch das zusammengehen von mann und frau, von frau und mann.
w
ie sehr haben wir diese denkweise übernommen, und wie weit sind wir damit gekommen?

„In seiner Tragödie hält uns Shakespeare den Spiegel vor: Wie damals geht es heute noch um Geld und Reichtum, Ansehen und gesellschaftlichen Zusammenhalt – und natürlich immer um Identität.
Der Jugendbuchautor Bruno Blume erzählt das wenig bekannte Stück in erfrischend moderner und doch shake­spear‘scher Prosa neu, die junge Pascale Küng hat 6 groß­formatige Illustrationen beigetragen – eine besondere Ausgabe für alle Shakespeare-­Fans und Shakespeare-Muffel.“
kwasi verlag

macbeth

macbeth

shakespeares macbeth

belletristik, jugendbuch

48 s. | mit 6 ganzseitigen, farbigen illustrationen von jacky gleich
18,6 x 29,6 cm | klappenbroschur
kwasi verlag 2016 || 20 fr. | 19 €
ab 14 jahren und für erwachsene
ISBN 978-3-906183-23-7

rezensionen

„Ganz schön mutig: Der Schweizer Kinder- und Jugendbuchautor Bruno Blume hat […] Adaptionen der fünf späten Tragödien für interessierte jugendliche (aber auch erwachsene) LeserInnen vorgelegt […]. Neu, anders, besonders bei Blume: An die Stelle der Akte sind innere Monologe (mit eingearbeiteten Dialogen) getreten, welche die Handlung aus wechselnden Perspektiven erzählen und interpretieren, was Blume erlaubt, zu psychologisieren oder auch die weiblichen Figuren stärker zu akzentuieren. Die Hauptstränge der Plots sind zwar bewahrt, doch anders geflochten, Komplexität und Umfang der Originale […] reduziert. “
dr. deborah keller, buch&maus 1/17

links

illustratorinnen:
susanne janssen

verlag:
kwasi-verlag.ch

neurodiversität

shakespeare lesen ist anstrengend, einerseits weil es theaterstücke sind, andererseits weil viel zeitcouleur und viele nebenhandlungen drinstecken.
in dieser ausgabe ist die geschichte gestrafft, kleine nebenrollen sind getilgt, abschweifungen fehlen, die taten der figuren sind psychologisch begründet – ideal für autist:innen und andere hochsensitive, die einfach der hoch aktuellen geschichte folgen möchten.

und was hat macbeth, der grenzüberschreitende machtmensch, mit autist:innen gemeinsam?

shakespeares macbeth

beschreibung

lady macbeth gilt als eine der bösesten frauen­figuren der weltliteratur. sie verführt ihren mann zum mord am könig, um selbst königin zu werden. als er zögert, schleudert sie ihm entgegen: „ich hab gestillt, ihm meine liebe froh gegeben. und hätt doch ihm meine warze aus dem mund gezerrt und ihm das hirn zu brei zerschlagen, wenn’s drauf angekommen.“

wie sind die rollen dieses liebespaares wirklich verteilt? was kettet sie zusammen, was projizieren sie aufeinander? was verhindert, dass sie miteinander reden können, und lässt sie auf dem gemeinsamen weg scheitern?

leseprobe

Endlich schläft sie. Du meine Güte. Wäre sie nicht Königin, ich müsste denken, sie wär verrückt. Redet immerzu vor sich hin, wenn sie glaubt, sie ist allein. Ich belausche sie, werde aber nicht schlau daraus. Vor allem hat sie es mit Blut. Wer da blutet, begreif ich nicht, oder warum. „Blutiges Kind“, wiederholt sie ständig, „mein blutiges Kind.“ Mein Gott, welches Kind? Sie hat ja keins. Nicht mehr. Oder sie zuckt so mit den Händen, wirft sie so hin und her, als ob sie sehr beschäftigt wäre und Dinge täte, die niemand sieht. Vielleicht kommt’s davon, dass sie als Königin keine Arbeit hat. Den ganzen Tag nichts tun, na, ich weiß nicht. Hört sich ja ganz gut an. Aber das wird dann eben langweilig. Und so viel allein, weil der Herr immer unterwegs war. Jetzt regiert er immer und hat Besprechungen. Ja, dann fangen die Hände an, so zu tun. Das kann ich schon verstehen. Aber was sie tut, so als ob, das erkenn ich nicht. Sie macht die Bewegungen nur so halb. Und spricht auch nicht alles aus. Immer halbe Sätze. Als ob sie Geheimnisse hätte. Oder lieber gleich wieder vergessen würde, was sie denkt.
Der Doktor hat sie untersucht, aber er hat immer nur gelächelt und mit dem Kopf gewackelt. Ich hab gleich gemerkt, der findet nichts so mit dem Magen oder mit dem Herz. Es muss was andres sein, mehr tiefer drin in ihr. Ob da ein Doktor drankommen kann? Geht ja nicht, dass sie aufgeschnitten wird, nur zum Nachschauen. Aber er hat gemeint, er kommt noch mal heute Nacht, als ich ihm gesagt habe, dass sie immer nicht schläft. Ich hör sie herum­gehen und in ihren Kleidern wühlen. Und dann redet sie wieder, aber ich weiß nicht, ob sie wach ist. Ich hab schon gehört, dass es welche gibt, die schlafwandeln. Kann schon sein, dass sie das macht. Sonst versuch ich immer, wieder einzuschlafen, wenn sie so rumort und mich weckt. Heute gehe ich mit dem Doktor und schau mir das an. Er ist ja viel gescheiter als ich und kann vielleicht verstehen, was sie spricht. Aber ich hab ihm ange­sehen, dass er lieber nicht herkommen würde. Kann aber nicht wegbleiben, da ist Befehl eben Befehl. Er hat Angst vor dem König. Ich versteh das. Sag dem König, seine Frau ist krank, schon wirst du für die schlechte Nachricht aufgehängt. Der kann ja machen, was er will. Sagt ihm ja niemand Halt.
So viele sind jetzt schon tot, die nur ein bisschen aufgemuckt. Nicht, dass ich was davon verstünde. Aber mein Vetter hat mir erzählt, wie’s in der Stadt zugeht. Keiner traut da keinem mehr, sagt er. Wer was Falsches sagt, kann noch am Abend baumeln, wenn’s in die falschen Ohren dringt. Ich glaub ihm das und hab zu ihm gesagt, er soll sich vorsehen, damit er nicht an die Falschen kommt. Er hat gesagt, er ist ja nicht dumm, und dass er lieber gar nichts mehr sagt.

illustrationen

zusätzliche informationen

„Macbeth ermordet den König, um selber König zu werden. Aber als Herrscher muss er weitermorden, um sein dunkles Geheimnis zu wahren. Er sucht Hilfe bei den weird sisters, die ihm zuvor schon prophezeit haben, dass er Than von Cawdor werde – was gleich darauf eingetreten ist – und später König. Nun erhält er die Vorhersage, dass ihn keiner besiegen könne, der von einer Frau geboren wurde. Macbeth folgert daraus, dass er unbesiegbar sei, doch auch dieser Glaube schenkt ihm keine Ruhe, bis es zur finalen Schlacht kommt.
Warum aber hat er den König umgebracht, da er ja an die Prophezeiung glaubt, also auch ohne Mord König geworden wäre? Eine wichtige Rolle spielt seine Frau, Lady Macbeth, die ihn zum Mord drängt, den sie als „grausame Notwendigkeit“ sieht. Ist sie also die Böse, die Eva, die ihn verführt?
In dieser Fassung spielt sie die Hauptrolle. Sie kennt ihren Mann genau, seinen Drang zu Größe, seinen unbedingten Willen, und sie erkennt sein Sehnen: „Du willst König sein.“ Aus ihrer Liebe heraus unterstützt sie ihn dabei, handelt, um ihre Beziehung zu erhalten, und kann ihn überzeugen: „Es ist das Schicksal selbst, das uns als Gast den König hergeführt. Es prüft uns! Der Schicksalsspruch ist vage, unser König noch nicht alt. Bleibt er noch vierzig Jahre auf dem Thron, was hast du dann vom Königsein als alter Greis?“ Doch die Morde sind nicht wie das soldatische Töten auf dem Schlachtfeld. Sie vergiften die oberflächliche Freude an der Macht, reißen alte Wunden auf. Als Lady Macbeth sich ihrem Mann schließlich doch noch in den Weg stellt, ist es zu spät.
Was also ist Schicksal? Gibt es das gar nicht, muss es erduldet werden, oder lässt es sich aktiv beeinflussen und gestalten? Und ist einer Vorhersage des eigenen Schicksals zu trauen? Wie lassen wir uns verführen von Horoskopen, Versprechungen, Vermutungen? Wie oft und mit welchen Mitteln setzen wir uns durch, wenn Ansprüche aufeinander­prallen und es heißt: ich oder sie?“
kwasi verlag

ein richtig schöner tag

ein richtig schöner tag

ein richtig schöner tag

bilderbuch

40 s. | farbige illustrationen von jacky gleich
25 x 20 cm | gebunden
kwasi verlag 2016 | 3. auflage
25 fr. | 23 € || ab 4 jahren
ISBN 978-3-906183-17-6

rezensionen

„Wunderbar schräg und doch mit viel Realitätssinn erzählen Bruno Blume in knappen Worten und Jacky Gleich in ihren den Text noch um viele Details ergänzenden Illustrationen vom ganz normalen Wahnsinn des Familienalltags. Toll zum Schauen und Entdecken.“
barbara jakob, sikjm

„Ein herrlich chaotischer und so gar nicht nach Plan verlaufender Tag wird beschrieben, wie er Eltern mit Kleinkindern nur allzu vertraut ist. Die erfrischenden, mit vielen witzigen und aussagekräftigen Details versehenen Bilder geben durch die Überzeichnung das Chaos wieder, vermitteln aber trotzdem ein durchaus harmonisches Familienleben, in dem jedes Mitglied seinen gleichberechtigten Platz einnimmt und ernst genommen wird.“
helene schär, weiterfliegen. empfehlenswerte kinder- und jugendbücher 2008

„Diese Bilderbuch-Familie positiver Prägung verfügt über einen ungebremsten Gemeinschaftssinn. Außerdem beherrscht sie die schwierige Kunst der Improvisation. Auf wundersame Weise bewahrt sie sich ihre gute Laune, komme, was da wolle – und das rund um die Uhr. Dabei scheint ihnen die Zeit davonzurennen, darauf verweist auf jeder Doppelseite irgendeine Uhr. Die Zeitmesser verharren fest auf ihren Plätzen während um sie herum Menschen, Tiere und Dinge stürzen, fliegen, kriechen, kippen und rollen.“
myriam mieles, faz

„Das ist keine Ironie, die nur die Erwachsenen unterhält. Auch Kinder kennen die Diskrepanz zwischen Planung und täglichem Chaos. Hier erhalten sie Bilder und Begriffe für ihre eigenen Erlebnisse und sind trotzdem fein raus. […] Die Chronik eines alltäglichen Chaos ist eine Liebeserklärung an Mütter, die den Bilderbüchern mit wohltemperierten Muttis fehlt.“
hans ten doornkaat, nzz am sonntag

„Auf jeder Seite ist Bewegung: Wassereimer und Kaffeetassen schwappen über, selbst Busse und Kirchtürme biegen sich mit den Bäumen im Wind. Eine Geschichte, ide Eltern kleiner Kinder mit wollem Herzen nachvollziehen können – und die für die Kleinsten auf jeder Seite was zu entdecken bietet.“
der tagesspiegel

„Ein Bilderbuch, das so dynamisch und witzig beginnt, kann kaum ein ’normales‘ Bilderbuch sein! In knappen Worten und ungemein temperamentvollen Bildern erzählt es von jenem schönen Tag, der, obwohl (oder weil) er exakt bis in jede Stunde vorgeplant ist, Stunde um Stunde, Buchseite um Buchseite immer tiefer ins Chaos treibt. […] Herzerfrischend nehmen Text und Bilder das Familienleben auf die Schippe. Sie beobachten genau, skizzieren und parodieren frech.“
darmstädter echo

„Vielleicht macht dieses ganze Chaos den Leuten einen Höllenspaß. Vielleicht ist der mündige Mensch für die Ordnung einfach nicht gemacht.“
iris radisch, die zeit

„Das alltägliche Chaos wird hier wundervoll nacherzählt, und gleichzeitig hintergründig dargestellt, wie viel Geduld, Liebe und Zeit man aufbringen muss für ein Stück Glück.“
literatour 07|02

„Geschichte von der Zeit, die immer schneller ist als die planende Familie im Clinch mit Windeln, Waschmaschine und Staubsauger“
gundel mattenklott, literaturen 09|01

„wo Papa im überfluteten […] Durcheinander Land zu sichten sucht, haben die Kinder längst ihr Piratenschiff auf See gesetzt.“
stube.at

„Chaos total, aber alle behalten die gute Laune“
neues deutschland

„Wie aus dem richtigen Leben gegriffen.“
sonntagsblick

„ein richtig schönes Kinderbuch.“
stuttgarter zeitung

„das Alltagschaos mit kleinen Kindern hinreißend auf den Punkt gebracht.“
hamburger morgenpost

„gnadenlose situationskomik“
stuttgarter nachrichten

„Bauchweh vor Lachen“
cornelia müller, bote vom unter-main

„chaotisch und bunt“
nordbayerischer kurier

„Da sitzt Mama bequem hinter der Zeitung, während Papa schuftet.“
hamburger abendblatt

„Ganz nebenbei lernen die Kinder die Uhrzeit.“
familie & co

„Ein tröstendes Geschenk für Eltern mit Kleinkindern“
tz.de

„Von dieser heiteren Gelassenheit sollten sich vom Uhrzeiger Getriebene eine Scheibe abschneiden.“
Inka Wagner, eselsohr 10|01

„Gute, aber nicht ausgeführte Vorsätze der Erwachsenen kennt jedes Kind und weiß damit umzugehen. Ein wunderschöner Tag dank des Gemeinschaftserlebnisses: wunderbar komisch gemalt von Jacky Gleich, herrlich versöhnlich geschrieben von Bruno Blume.“
die woche

„Die Story vom alltäglichen Wahnsinn mit kleinen Kindern ist einfach zu nett, lustig und wahr.
Die Bilder sind dynamisch und lustig und ergänzen den Text, so dass beim Vorlesen die Kinder ihre eigene bildliche Interpretation zu dem vorgelesenen Text dazugeben können. Auch ein perfektes Geschenk zur Geburt des zweiten Kindes.
Diese Bilderbuch zeigt auf sehr witzige Weise, was alle Eltern kennen […]. Die Zeichnungen sind dynamisch, zeigen das ganz normale tägliche Chaos in Familien mit einem Baby. Zeigen auch liebevolle Eltern, einen Vater, der im Haushalt hilft und ein Mädchen, das immer vorne weg ist.
kund:innen, amazon.de

neurodiversität

autist:innen wird die klare struktur gefallen: jede doppelseite zeigt die nächste volle stunde und was die familie dann macht. und sie können ihre aufmerksamkeit bei jedem anschauen auf etwas anderes lenken: auf die verschiedenen uhren, die in jedem bild abgebildet sind, auf die katze, die sich immer an einem anderen ort herumtreibt, und natürlich auf die vier familienmitglieder bei ihren verschiedenen tätigkeiten.
das buch eignet sich ganz besonders für das gemeinsame und wiederholte anschauen.

ein richtig schöner tag

beschreibung

die ganze familie will den schönen tag im garten verbringen.
mama und papa haben sich frei genommen und alle freuen sich.
doch dann gibt’s hier noch was zu erledigen und da läuft etwas schief …

ein lustiges, überraschendes, temporeiches bilderbuch für die ganze familie. es gibt viel zu entdecken, mitzuerleben und nebenbei die uhrzeit zu lernen.

leseprobe

Am Abend vorher sagt Mama:
„Um 8 gibt’s Frühstück.
Um 9 fahr ich schon mal los.
Dann bin ich um 10 in unserem Garten
und kann Obst und Gemüse ernten.“
Papa nickt und sagt zu Leonie:
„Um 11 gehen wir mit Jakob einkaufen und in die Bibliothek.
Um 12 fahren wir los
und sind um 1 im Garten.
Dann können wir den ganzen Nachmittag spielen.“

Aber um 8 schläft Papa noch.
Mama gibt Jakob das Fläschchen.
Jakob ist noch klein,
er braucht alle vier Stunden sein Fläschchen.

illustrationen

auszeichnungen und übersetzungen

ausgezeichnet mit der eule des monats der fachzeitschrift bjl und als die 7 besten bücher.

das buch gibt es auch auf

  • dänisch
  • koreanisch
vier verrückte fußballgeschichten

vier verrückte fußballgeschichten

Anthologie, Kinderbuch

Vier Geschichten von Katja Alves, Bruno Blume, Wolfgang Bortlik und Sandra Hughes zusammen mit je einer fünften Klasse
176 S. | 17 sw-Illustrationen von Jörg Obrist
14,8 x 21 cm | Klappenbroschur
kwasi verlag 2014 || 16 Fr. | 15 € ||
ab 11 Jahren
ISBN 978-3-906183-13-8

rezensionen

„Magische Ausrüstungen um Fussballspiele zu gewinnen. Ein Trainer der ausgerechnet zum wichtigsten Spiel der Saison nicht erscheint. Und peinliche Mütter am Spielfeldrand, die entweder vor Stolz platzen oder allen ihre selbstgemachten Sandwiches aufzwingen. Es war einiges an Fantasie zusammengekommen“.
daniel faulhaber, tageswoche

links

vier verrückte fußballgeschichten

beschreibung

kinder spielen gern fußball, kinder lieben geschichten!
hier finden sie beides: von kindern selbst erfundene fußballgeschichten.
vier 5. klassen haben ihre ideen gesammelt, geordnet und mit professionellen autorInnen zusammen in krimis und liebesgeschichten verwandelt. so sind vier verrückte, lustige und spannende geschichten entstanden, die vom fußball handeln und dabei über das ganze leben erzählen: entführungen, erste küsse, ein friedhof, die mafia, eine einsame insel und ein wasser-töff spielen unter anderem wichtige rollen.

spiel um leben und tod
(bruno blume mit klasse 5a, schulhaus brühl, solothurn)

im fussballcamp gibt es für die fünf besten als preis tickets für die fussball-wm zu gewinnen! darauf sind natürlich alle scharf – scheint es. aber verfolgt nicht maria ganz andere pläne? wer verliebt sich in wen? wer ist eigentlich dieser penner trevor? was passiert auf dem friedhof? und ist der schiedsrichter wirklich unparteiisch?

leseprobe

Mit einem lauten Pfiff startet der Trainer das entscheidende Spiel. Ahmed spielt an und passt zu Sophia, aber sie lässt den Ball durch. Sie ist stinksauer. Ihr Blick wandert an den Spielfeldrand, wo Carlo sich mit dem Rücken zum Spielfeld hingehockt hat. Sophia kann seine Wut nicht nur nachvollziehen, sie spürt sie. Es ist die gleiche Wut wie ihre. Weil Carlo nicht mitspielen darf.

Die Verwirrung vor dem Spiel war groß gewesen. Carlo und Maria waren nicht da! Emelie und Livia waren blass und machten seltsame Andeutungen über Maria, auch kicherten sie immer wieder so merkwürdig. Ihr Streit, der die ganze Woche alle genervt hatte, war offensichtlich vorbei. Aber als Sophia sie fragte, wo Maria sei, verstummten sie.
„Und wo ist Carla?“, bohrte Sophia weiter.
„Vielleicht ist sie noch auf dem Friedhof“, unkte Emelie.
Livia stieß sie mit dem Ellbogen an und rollte mit den Augen: „Oder er ist noch auf dem Friedhof!“
Es war nichts Vernünftiges aus den beiden rauszubekommen.
„Vielleicht schläft sie noch“, warf Seraina ein. „Als ich nach dem Frühstück die Zähne geputzt habe, lag sie auf jeden Fall noch im Bett.“
„Warum sagt das denn niemand?!“, fluchte Sophia und startete durch.

illustrationen

 

weitere infos

dieses buch ist das ergebnis der kooperation zwischen der fachhochschule nordwestschweiz, vier autor:innen, vier brennpunkt-schulen in der nordostschweiz und dem kwasi verlag.

die autor:innen haben gemeinsam mit je einer 5. klasse in 13 wochen eine geschichte beigetragen, gleichzeitig fußball trainiert und dann die geschichten der anderen klassen gelesen und nach strengen kriterien beurteilt.
zum abschluss gab es in basel ein fußballturnier und die buchvorstellung im literaturhaus.

ein begeisterndes projekt für alle beteiligten mit einem außergewöhnlichen buch als finalen output!